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Lomax

 

 

Vor bestimmt 15 Jahren faszinierte mich ein Bild eines altertümlich aussehenden, dreirädrigen Fahrzeugs, das bei einem meiner Motorradfreunde an der Wand hing. Immer mal wieder rutschte dieses Bild vom Hinter- in den Vorderkopf. 

Im Sommer 1995 waren Andrea und ich mit unserer ID unterwegs zu einem Treffen des ACC (Andre-Citroen-Club) im Schwäbischen, das der in der Citroen-Szene bekannte Händler Schneider in Geislingen im Schwäbischen ausrichtete. Und dort stand ein Lomax! Zwar mit 4 Rädern, aber bereit für eine Probefahrt: bei dieser Fahrt hatte Andrea nach eigenem Bekunden „das Totenhemd an“, mich aber hatte der Virus infiziert und es war klar, das so ein Geschoss baldmöglichst mein sein würde.

Nun ja, wie es halt immer so geht: Dnepr-Gespann verkauft, Internet bemüht, „Oldtimer-Markt“-Anzeigenteil studiert und irgendwann zugeschlagen. Der englische Bausatz nebst neuem Rahmen wurde mir sogar aus Hamburg gebracht, die wichtigen Teile waren da, es konnte losgehen. Kurz (oder lang?) und gut: nach ca. ½-jähriger Bauzeit war der Lomax fertig und unsere Beziehung fast am Ende. Immerhin musste Andrea auf einen Urlaub und die eine oder andere Abendstunde mit mir verzichten. Herzlichen Dank noch mal für deine Geduld, Süße!

Die erste große Reise ging zum großen 50-jährigen Geburtstagsfest des 2 CV nach Paris, die zweite Reise führte uns nach Südfrankreich, der eigentliche große Trip ging schließlich zum 13. Welt-Enten-Treffen nach Griechenland mit anschließender Rundreise über den Pelopones. Hier waren wir mit Günter und Sabine (Mehari  + Gepäck), Stefan und Julia (Mehari + unsere halbwüchsige Tochter Sarah und ihre Freundin Jeanette) unterwegs. Das ist aber eine eigene Geschichte, siehe Urlaubsreisen.

 

 

 

Prinzipiell ist die Idee ganz einfach: nimm eine Ente (Modell mit Scheibenbremsen), schraube das Häuschen runter, ersetze einen hinteren Schwingarm durch einen modifizierten umgedreht (den anderen laß` ganz weg), schraube den GfK-Body auf das Fahrgestell und bring noch ein wenig Nippes an: fertig ist der Lomax! So soll es nach der Bauanleitung in 10 Arbeitsstunden zu bewältigen sein. Na ja, die Wirklichkeit sieht anders aus, dennoch ist die Sache von jedem geübten Heimwerker ohne Schweißarbeiten zu bewältigen.

Die Belohnung des TÜV: Eintrag des Erbauers im Herstellerfeld des Kfz-Briefs/-scheins! Die Belohnung vom Staat: keine ASU-Pflicht, da dreirädrige Fahzeuge aus den Bestimmungen ausgenommen sind!

 

Radkappen vom Citroen GS, Sidepipe mit dumpfem, sonorem Sound (das Entengeschnatter ist nicht mehr zu hören – ein Martinshorn allerdings auch nicht J) und vordere Blinker aus dem Motorrad-Zubehör, Scheinwerfer von der Veterama, Sitze aus dem Fiat 126, Lenkrad von Moto Lita, Rücklichter von Ente und D-Modell Break mit den seltenen Chromringen

 

der Motor ist seines Kühlgebläses beraubt und liegt frei im Fahrtwind. Erstaunlich, aber es funktioniert, allerdings muß der Ölkühler (unteres Gitter) gut zugänglich und frei von Schmutz sein. Selbst im August in Griechenland keine thermischen Probleme!

das Armaturenbrett mit den weißen VDO-Instrumenten ist mein ganzer Stolz (war aber auch der teuerste Teil)! Ich habe bei all den Lomaxtreffen noch nie ein gelungeneres gesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

so sieht`s von hinten aus. Gewöhnungsbedürftig, aber schön. Gepäckträger aus dem Seitenwagenzubehör (EML)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So, inzwischen haben wir einen großen Hund und damit sind Lomax-Ausflüge unmöglich geworden. Damit steht mein Meisterwerk zum Verkauf. Ich verzichte damit auf:

 

-         das unvergleichliche feeling, das ein Fahrzeug bietet, in dem man auf Nabenhöhe sitzt (Smart Roadster = Geländewagen)

-         den Blick auf die federnden Vorderräder beim Fahren

-         mein eigenes Spiegelbild im Gehäuse des linken Scheinwerfers, das mich an die Fliegerei der 20er Jahre erinnert

-         die interessanten Gespräche mit beliebigen Passanten, die wissen wollen, ob

o       das Ding denn nicht umkippt (nein, das muß man genauso erzwingen wie bei einem Vierrad)

o       das Ding vor oder nach dem Krieg gebaut wurde (von denen meinen die meisten den ersten Weltkrieg!)

o       es schwer war, einen BMW-Motor in ein Auto zu bauen (*stöhn*)

-         die erheiternden Szenen beim TÜV („so, jetzt fahren sie mal über die Grube, ha,ha,ha“)

-         die Tatsache, dass sich der Geschwindigkeitsrausch schon ab 80 km/h einstellt

-         das Verstehen der Menschen um 1900, die vor motorisierten Gefährten warnten, weil bei Geschwindigkeiten > 40 km/h die Lungen platzen könnten

-         Fahrspaß der reinsten Art

-         die Möglichkeit, in den Applauskurven der Bergregionen am Wochenende die Scharen von Motorradfahrern von den geilsten Harleys wegzulocken und ums Auto zu scharen

 

 

Das Auto ist für uns ein reines Schönwetterfahrzeug gewesen, abgesehen von sommerlichen Regengüsse, die im Regenkombi durchstanden werden mussten („keine Sorge, da hinten wird´s heller“). Es ist fahrbereit und technisch topfit. Mängel: der rechte Kotflügel hat einen Riß, der bei Gelegenheit mal mit GfK hinterspachtelt werden sollte. Motorraum, Innenraum und Kofferraum sind nicht lackiert. Trotz des guten Zustandes ziehe ich einen Interessenten vor, der gerne seine eigenen Vorstellungen im Detail noch in das Fahrzeug einfließen lassen möchte. Die Gesamtlaufleistung des Fahrzeugs liegt bei ca. 23.000 km, der Motor hat eine unbekannte Laufleistung, schnurrt aber wie ein Kätzchen. Die Ersatzteilsituation ist durch die komplette 2 CV Technik auf Jahrzehnte hinaus gesichert und preiswert.

 

Inzwischen hat das Wägelchen gar nicht weit weg von hier ein neues Zuhause und – wie ich hoffe – nette Besitzer gefunden.

 

Links:

 

 

Lomax Club               hier bin ich Mitglied; er hält die Lomax-Fahrer zusammen und ermöglicht eine preiswerte Versicherung

 

Threewheeler             der Lomax ist nicht der Weisheit letzter Schluß; es gibt schönere aber keine billigeren (=preiswerteren) Fahrzeuge

 

Kitcar Club NL          Was man aus einer Ente alles so machen kann